Die Rettung des Zwergsignals “N2

                                                                                                                                                                                                                                      Lange Zeit übermittelten im Bahnhof Schwerte/Ruhr die, tagsüber, weithin sichtbaren Formsignale mit ihren mächtigen Flügeln den Triebfahrzeugführern ihre Informationen.
Aber die fortschreitende Modernisierung der Signaltechnik machte diese Signale überflüssig.
Sie wurden im Zuge der technischen Umrüstung des Bf. Schwerte/Ruhr durch eine neue Signaltechnik ersetzt.


Doch was bedeutet eigentlich der Begriff Signal?

Formsignale (auch Semaphore) sind mechanische Eisenbahnsignale, bei denen der Signalbegriff durch bewegliche Elemente – meist Tafeln oder Flügel – dargestellt wird. Sie werden seit der Anfangszeit der Eisenbahn nach dem Vorbild der optischen Telegrafen verwendet.

Formsignale werden meist mechanisch von Hebelstellwerken über Stelldrähte gesteuert. Bei besonders langen Stellentfernungen und generell in elektromechanischen Stellwerken verwendet man elektrische Signalantriebe.
Ein Signal (latein: signalis "dazu bestimmt", signum "ein Zeichen") ist ein Zeichen mit einer bestimmten Bedeutung, die das Signal durch Verabredung oder durch Vorschrift erhält. Eine Information kann durch ein Signal transportiert werden.

Eisenbahnsignale übermitteln dem Führer von Eisenbahnfahrzeugen Informationen und Aufträge über oder für den Fahrweg. Sie werden vom Fahrdienstleiter oder Wärter als Bediener eines Stellwerks gegeben. Wichtige Informationen, die mit Signalen übermittelt werden, sind unter anderen, ob und mit welcher Geschwindigkeit gefahren werden darf.

Die alten Formsignale wurden durch eine neue Signaltechnik ersetzt: Ks-Signale                                          
                                  

Ks-Signale (Ks steht für Kombinationssignal) sind seit 1993 bei den deutschen Eisenbahnen verwendete Signale, die Vor- und/oder Hauptsignalfunktion in einem Signalschirm vereinen. Sie ersetzen nach und nach die alten Licht- und Formsignale, die Hl-Signale und Sv-Signale und werden nur bei elektronischen Stellwerken eingesetzt.

Tagtäglich reisen viele Schwerter Einwohner mit den Zügen der DB AG zu ihren Reisezielen. Von daher waren diese Formsignale ein vertrautes Bild im Bahnhof Schwerte. Als die regionalen Tageszeitungen von der geplanten technischen Umrüstung des Bf. Schwerte berichteten, da fasste ein Einwohner von Schwerte den Entschluss ein ganz besonderes Signal zu retten. Dieses Signal stand am Bahnsteig 1 im Ostkopf des Bahnhof’s  und regelte die Ausfahrt aus Gleis 2.
Es trug die Bezeichnung „N2“. Das besondere an diesem Signal war die Masthöhe. Es hatte einen verkleinerten Signalmast und wurde deshalb „Zwergsignal“ genannt. Dieses Signal sollte im heimatlichen Garten wieder in Dienst gestellt werden.





Hier nun der Bericht über die Rettung von „Zwerg N2“:

Ja wie war das noch,

es ist schon einige Zeit her da erzählte mir ein Schwerter Fahrdienstleiter dass es Hinweise gibt die Steuerung des  Bf.Schwerte an Hagen anzubinden und somit die alte Technik, E43, in Schwerte aufzugeben Daraufhin sprach ich einen guten Bekannten an ob man, nach der Umstellung der Steuerung nach Hagen, das Ausfahrsignal N2 käuflich erwerben könne. Es dauerte einige Zeit, aber mit Nachdruck, der Einbringung meiner Glaubwürdigkeit und einer Entbehrlichkeitsprüfung kam die Nachricht, dass ich N2 unter Auflagen bekommen kann: Ich darf das Signal nicht verkaufen oder anderen Bahnunternehmen als Zugsicherung zur Verfügung stellen und der Abtransport vom DB Gelände muss unverzüglich erfolgen.

Na ja, nach großer Freude über die Nachricht mischte sich langsam Nachdenklichkeit ein, wie schafft man so ein Signal beschädigungsfrei weg und wie stellt man's wieder auf?

Als erstes fallen einem Kran und Tieflader ein...dann die Kosten......Straße sperren....wieviel wiegt N2? .....ist ja nur ein kleines Signal.....so um 3t mit Antrieb.......da muss noch ein Mastfuß her ......den muss ich eingraben.....das muss sturmsicher sein .....usw. usw.
Was hab ich mir da bloß angetan?

Wo bekomme ich die erforderlichen Unterlagen für eine fachgerechte Aufstellung und evtl. einen Mastfuß her?
Vom Signaldienst bekam ich dann Datenblätter, einen Mastfuß für das Formsignal gab es leider nicht mehr. Das bedeutet Material besorgen und die erforderliche Teile schweißen lassen. Das war schon eine technische Hürde für ein Signal welches man noch nicht hat. Dann den Sockel 0,7m x 0,7m x 1,6m tief ausschachten, den Mastfuß in die Waage bringen, mit Muniereisen verstärken und anschließend mit 800 kg Ankerbeton in einem Rutsch gießen.

Noch 2 Monate:
Mittlerweile hatte sich meine Rettungsaktion herumgesprochen und war auch schon in Schwerte angekommen. Nach Rücksprache wurde mir für die Rettungsaktion Unterstützung zugesichert, wohl auch weil sich einige Eisenbahner recht begeistert zeigten und mich tatkräftig unterstützen, so konnte ich mich um die riskante Transportangelegenheit kümmern.

Dann, am 22.08.2007 kam der Schreck:
Es war in der Nacht im Bf. Schwerte, nur 15m von N2 entfernt, zu einem Unfall gekommen:
anklicken, um zu vergrößern
Doch zu meiner großen Freude war das Signal unbeschädigt geblieben.

15.09.2007, der Übergabetag:
 
Endlich war es soweit. Ich hatte mich zuerst am Bahnsteig 1 eingefunden um den Abbau mitzuerleben. Nach Rücksprache mit den Technikern fuhr ich dann zum Bf. Schwerte Ost. Da N2 mit das erste Signal war das abgebaut wurde und eine anschliessende Zugfahrt über Schwerte Ost nach Heide geplant war, konnten wir(drei Mann)das Signal gegen 14.00 Uhr im Bf. Schwerte-Ost vom Skl in Empfang nehmen. 
 
Um die Kosten für einen Kran und Tieflader zu sparen waren wir dazu übergegangen alle beweglichen Teile zu demontieren. Das ging auch recht schnell vonstatten da außer leichtem Oberflächenrost alle Schrauben gängig waren. Bis etwa 21.oo Uhr waren alle Teile demontiert und per Kombi in der heimischen Garage gesichert. 

Am nächsten Tag war der Mast dran. Es war schon nicht einfach einen Lkw mit 6m Ladefläche zu bekommen aber 5.8m taten es dann auch. Das eine Ende des Mastes war aufgebockt, das andere mit Panzerrollen unterlegt, so mussten wir nur die Hälfte des Gewichts anheben und der Lkw fuhr langsam unter den Mast, anschließend erledigten die Panzerrollen den Rest. Zu Hause angekommen, das ganze andersrum und mit den Panzerrollen und Rampen in den Garten.

Am folgenden Tag gelang es uns (sechs Mann)den Mast aufzurichten und in den folgenden 2 Urlaubswochen glich mein Keller einer Signalwerkstatt. Die Lampen wurden aufgearbeitet, der Antrieb von 136 V = auf 220 V~ umgerüstet, alle Gelenke wurden neu geschmiert, die Signalflügel geputzt, wobei der vordere Flügel über die Jahre doch sehr gelitten hatte. Eine Menge Farbe wurde aufgetragen, allerdings nur wo es nötig war, um das Aussehen beizubehalten. Anschließend brachten wir nach und nach alle Teile wieder an.

Wiederindienststellung:
Am 25.10.2007 wurde N2 unter reger Anteilnahme von Eisenbahnern, Eisenbahnfreunden und Nachbarn vom Sachverständigen technisch abgenommen und wieder in Dienst gestellt. Die anschließen Feierlichkeiten haben sich im Wechsel,
Grün Gelb, Hp2, oder Rot, Hp0, bis in die Morgenstunden hingezogen.

Zum Schluß möchte ich noch all denen danken, die mich bei dieser Rettungsaktionn unterstützt haben, denn ohne deren Mithilfe wäre die Rettung so nicht möglich gewesen. 

Durch engagierte Tatkraft und Behaarlichkeit ist es immer wieder möglich Zeitzeugen alter Technik zu erhalten.
Ich wünsche dem neuen Besitzer dieses Signals viel Freude mit diesem, privaten,  technischem Denkmal und bedanke mich für die Freigabe der Bilder und diesem ausführlichen und spannenden Bericht.

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Rotlicht

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